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Jahresbericht 2000

Kirchenpflege Einer ist Euer Meister.
Mat. 23,8


Jahresbericht der Kirchenpflege für das Jahr 2000

Mit dem Ende des Jahres 2000 erreichten wir endgültig den Übergang in ein neues Jahrtausend. War dieses ein besonderes Jahr in seiner ganzen dezimalen und runden Schlichtheit? In der kirchlichen Arbeit ist jedes Jahr ein besonderes Jahr, weil wir es mit Menschen und ihren Beziehungen untereinander, ganz besonders aber mit der Beziehung zwischen Gott und den Menschen zu tun haben.
Markantes Ereignis - neben vielen anderen – war wohl im Bereich der Jugendarbeit die Wüstenfahrt von rund 30 jugendlichen Zollikerinnen und Zollikern.
Für manche war mit der Reise von Jerusalem über das Tote Meer zum Sinai ein Stück Gotteserfahrung verbunden. Der Eindruck und die Ausstrahlung der heiligen Stätten oder die Erfahrung der eigenen Grenzen in der heissen, staubigen
Felswüste führten zu Erkenntnissen über das eigene Ich, aber auch über die Ehrfurcht vor der Schöpfung.
Wie damals die Israeliten brauchte die Gruppe kundige Führer, angemessene Verpflegung und die schützende Hand Gottes.

In der Wüste Sinai haften Erinnerungen an die wesentlichen Erfahrungen, die das Volk Israel mit Gott gemacht hat.
Die Begegnung mit den Beduinen und ihrer
Kultur scheinen in die Welt Abrahams, Isaaks und Jakobs zurückzuführen.

Erfüllt mit all diesen reichen und teilweise überwältigenden Eindrücken kehrte die Gruppe nach den Sommerferien wohlbehalten in unseren schweizerischen Alltag zurück. Kirchenpflege und Pfarrer hatten sich den Entscheid über die Durchführung des Projektes nicht leicht gemacht.
Die Chancen für eine Auseinandersetzung mit den drei grossen christlichen Traditionen, aber auch mit dem Judentum
und mit dem Islam, Begegnungen mit arabischen und jüdischen Jugendlichen sowie die eigentliche Erfahrung der Wüste führten zu einer positiven Beurteilung.
Die Aufarbeitung des Erlebten in Gesprächen, Berichten, Aufsätzen, Seminar- und Vertiefungsarbeiten hat den Entscheid in jeder Hinsicht bestätigt.
Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selber für die Kosten aufkamen. In Härtefällen konnten wir auf spontane Spenden von Gemeindemitgliedern zurückgreifen, was wir an dieser Stelle sehr herzlich verdanken.

Im Bereich Personelles sind für das vergangene Jahr keine grossen Veränderungen zu verzeichnen.
Reto Nägelin verliess uns nach rund einjähriger Tätigkeit
als Jugendarbeiter, um sich intensiver seiner berufsbegleitenden Diakonenausbildung
zu widmen. Es ist der Jugendkommission gelungen, mit Michaela Tobler rasch einen ausgezeichneten Ersatz zu finden. Sie widmet sich im Rahmen eines 80% Pensums allen Aspekten der Jugendarbeit.

Die gelernte Bäckerin hat sich als Jugendleiterin des CVJM Aargau bereits die erforderlichen Erfahrungen angeeignet. Ferner schliesst sie Ende August 2001 die berufsbegleitende Katechetinnenausbildung der reformierten Landeskirche des Kantons Aargau ab.

Ihre ausgesprochene Fähigkeit, rasch und unkompliziert Kontakte mit allen Altersgruppen
zu knüpfen, hat sich bereits in den ersten Wochen ihrer Tätigkeit positiv bemerkbar gemacht.
Der Bereich Sonntagsschule ist neu organisiert worden. Sämtliche Veranstaltungen finden nun an einem Werktag statt.

Die Vorbereitungsgruppen Dorf und Berg
arbeiten sehr eng zusammen, was insbesondere in eine gemeinsamen Einstudierung der Zeller Weihnacht ausmündete.

Dieses nach wie vor äusserst beliebte Krippenspiel wurde im Dezember an drei Nachmittagen in vollen Kirchen im Dorf
und im Berg aufgeführt.
Im vergangenen Jahr haben die beiden Pfarrerinnen Erika Sundin und Sabina Hösli die Kirchenpflege darüber informiert, dass sie im Frühjahr 2001 von ihren Stellen aus Altersgründen bzw. aus familiären Gründen zurücktreten möchten.

Auf die bis 30. Juni 2003 befristete Stelle im Dorf muss damit eine neue Pfarrerin bzw. ein neuer Pfarrer gewählt werden. Die Pfarrwahlkommission wurde an der Kirchgemeindeversammlung vom 2. Juni 2000 bestellt.
Sie hat ihre Arbeit im Oktober aufgenommen und Anfang des neuen Jahres dem Kirchenrat (Wahlbehörde bei befristeten Pfarrstellen) einen Wahlvorschlag unterbreitet.
Es bestand von Anfang an der Wunsch, wiederum eine Pfarrerin für Zollikon gewinnen zu können.
Vorgeschlagen wird Frau Anne-Käthi Rüegg, zur Zeit Pfarrerin in Richterswil, Kanton Zürich. Die Wahl durch den Kirchenrat erfolgte am 28. Februar 2001 mit Amtsantritt auf den 1. August 2001.

Im Sommer 2000 war erstmals ein Praktikant als sozial-diakonischer Mitarbeiter im Dorf tätig.
Roland Gisler, ein Absolvent des theologisch-diakonischen Seminars Aarau, hat sich sehr rasch eingearbeitet in Zollikon und in den wenigen Wochen bisher Gelerntes umsichtig angewendet. Die guten Erfahrungen haben die Kirchenpflege dazu bewogen, auch in Zukunft Praktikantenplätze vorzusehen.

Ein weiterer Markstein für die sozial-diakonischen Dienste in der Gemeinde Zollikon umfasste die nach sorgfältiger Vorbereitung im vergangenen Jahr am 9. Januar 2001 erfolgte Gründung des Vereins „Besuchsdienst Zollikon“.
Die Zielsetzung des Vereins besteht darin, im positiv unterstützenden Sinn zu den Lebensbedingungen
älterer und jüngerer Menschen in der Gemeinde beizutragen und die zwischenmenschlichen Beziehungen durch die Vermittlung persönlicher Kontakte zu fördern.
Das bestehende Netz der Besucherinnen und Besucher
wird erweitert und durch die Schaffung einer Vermittlungsstelle ergänzt.

Trägerschaft des Vereins sind die Katholische Kirchgemeinde Zollikon, der Frauenverein Zollikon, die Ortsgruppe Zollikon von Pro Senectute sowie die Evangelischreformierte
Kirchgemeinde.

Es ist besonders erfreulich feststellen zu können, dass sich auf diesem Gebiet eine fruchtbare partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Stiftungen und den beiden Kirchen entwickelt hat.
Die Jahresrechnung 2000 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 800'000 Franken ab. Auf der Ausgabenseite ist das Budget sehr diszipliniert ein-
gehalten worden.

Der Überschuss ergibt sich auch dieses Jahr aufgrund der unerwartet hohen Steuererträge; damit ist auch die für das Jahr 2001 beschlossene Steuersenkung gerechtfertigt.
Die gute Finanzlage hat uns ermöglicht, im Jahr 2000 verschiedene notwendige Bauprojekte zu verwirklichen.
Im Herbst konnte im Kirchgemeindehaus Zollikerberg der Einbau eines Liftes sowie die Renovation der Toiletten abgeschlossen werden. Das Gebäude ist damit rollstuhlgängig ausgebaut.

Das Vorhaben ermöglicht aber auch leicht gehbehinderten Menschen einfachen Zugang zu den beiden Stockwerken. Das Pfarrhaus an der Zollikerstrasse 94 hatte eine umfangreiche Renovation nötig. Dach, Fassade, Fenster,
Heizung sowie einige Innenräume mussten saniert werden, nachdem beim letzten Amtswechsel vor rund fünf Jahren lediglich eine Pinselrenovation ausgeführt worden ist.
Der Sturm Lothar hat sowohl den Kirchenspitz im Dorf als auch das Dach der Liegenschaft im Chaltenstein arg in Mitleidenschaft gezogen.

An beiden Objekten waren erhebliche Sanierungen erforderlich. Ferner musste der Kirchturm im Dorf neu verputzt werden. Nach der Renovation der Liegenschaft
Rosenweg 8/10, die im Jahre 2001 vorgesehen ist, und einigen Reparaturen am Haus Sonnengartenstrasse 44 befinden sich sämtliche Liegenschaften der Kirchgemeinde in einem ausgezeichneten Zustand, so dass für die kommenden
Jahre mit eher niedrigen Ausgaben für den Liegenschaftenunterhalt gerechnet werden kann.

Nach einer rund zweijährigen Versuchsphase mit einem Web-Auftritt der Kirchgemeinde hat die Kirchenpflege beschlossen, den Unterhalt einer Web-Site für
definitiv zu erklären. Die Informationen, Hinweise, Berichte, Photos und Links sind unter www.ref.ch/zollikon abrufbar.
In den kommenden Jahren hat sich die Reformierte Landeskirche mit zwei bedeutenden Themen auseinanderzusetzen. Zum einen geht es um die Neuregelung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, zum andern um die Weiterentwicklung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichtes in das Fach
‚Religion und Kultur’. Die Reformvorhaben Kirche/Staat werden in drei Phasen ablaufen.

In der ersten Phase schlägt die Kantonsregierung vor, die Verankerung der Evangelisch-reformierten Landeskirche und ihrer Kirchgemeinden weiterhin als öffentlich-rechtliche Körperschaften, aber mit grösserer Autonomie im staatlichen
Recht zu belassen. Damit wird die auf die Gemeinschaft ausgerichtete Kraft der christlichen Tradition anerkannt. Das neue Kirchengesetz gilt für alle drei öffentlich-
rechtlich anerkannten Kirchen im Kanton Zürich.

Im neuen Kirchengesetz werden die Leistungen des Staates an die Kirchen begründet und geregelt.
Auch wenn diese Ausgangslage für die Evangelisch-reformierte Kirche eine Verminderung der staatlichen Leistungen von rund 12 Mio Franken pro Jahr bedeutet, so
überwiegt doch die erfreuliche Tatsache, dass die Kirchen von Staat und Gesellschaft als Partnerinnen wahrgenommen werden. Die landeskirchlichen Stellungnahmen zur ersten Phase sind bis Juni 2001 fällig.

In der zweiten Phase erneuert die Evangelisch-reformierte Landeskirche ihre Kirchenordnung.
Sie regelt damit den neu in ihre Verantwortung gelegten Autonomiebereich und überarbeitet die bisherigen Regelungen. Die revidierte Kirchenordnung soll im Jahr 2004 der reformierten Bevölkerung zur Abstimmung
vorgelegt werden.

Die dritte Phase umfasst das Inkraftsetzen der revidierten
Verfassungsartikel, des neuen Kirchengesetzes und der neuen Kirchenordnung, was auf den 1. Juli 2006 vorgesehen ist.

In der Diskussion um ein Schulfach ‚Religion und Kultur’ geht es darum, den bisherigen
konfessionell-kooperativen Religionsunterricht (KokoRu) der Oberstufe in ein obligatorisches Fach überzuführen. Als Ziel steht im Vordergrund, Orientierungswissen über das Christentum hinaus in andere Religionen und Kulturen zu
vermitteln und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen und Wertvorstellungen zu fördern.
Damit soll ein Integrationsbeitrag in unserer Gesellschaft
geleistet werden. Die Kirchenpflege unterstützt das Grundlagenpapier der Bildungsdirektion unter zwei Voraussetzungen: Zum einen sollen die Pfarrerinnen
und Pfarrer der Landeskirchen weiterhin die Möglichkeit haben, diesen Unterricht erteilen zu können. Zum zweiten muss parallel zu diesem Projekt das spezifisch kirchliche Unterrichtsangebot für die Oberstufe überdacht und neu geregelt werden.

Der nachfolgende Bericht des Mitarbeiterkonventes vermittelt einen fundierten Einblick in die vielfältigen Arbeitsbereiche in unserer Kirchgemeinde.

Die Kirchenpflege dankt Pfarrerinnen, Pfarrern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr engagiertes und effizientes Wirken, welches in der Öffentlichkeit, oft aber noch
viel mehr im Stillen viel Freude zu bereiten vermag. Zahlreiche positive Äusserungen von einzelnen Gemeindegliedern unterstreichen dies.

Gelegentlich erreichen uns auch kritische Stimmen. Über beide freuen wir uns, denn nur mit der Summe der Meinungen können Behörde, Pfarrerinnen, Pfarrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abschätzen, ob wir unser Schiff richtig und in eine zukunftsweisende Richtung steuern.

Dr. Heinrich Neukomm, Präsident




Mitarbeiterkonvent SMS, E-Mail und Website –
eine Bereicherung für das Pfarramt


Montagabend 18 Uhr 08, mein Mobiltelefon meldet eine Kurzmitteilung: ein SMS eines Ex- Konfirmanden: „Simon, ich habe die Autoprüfung bestanden.“ Dienstag drei Minuten vor dem Konfunterricht ein SMS eines Jugendlichen: „Hast du Zeit?“. Mittwochmorgen 7 Uhr 38 vier neue E-Mails: Ein Termin für ein Schülergespräch wird bestätigt, ein ausformulierter Lebenslauf für die bevorstehende Abdankung gesandt. Weiter erhalte ich eine Anfrage für eine Taufe und zuletzt Notizen und Vorstellungen eines Traupaares aus dem fernen Deutschland anlässlich
ihrer Hochzeit im Juni.

Kritische Zeitgenossen ahnen Böses. Droht die Digitalisierung nun auch den Kirchgemeinden und Pfarrämtern, die meinen, auf der Informatikwelle mitreiten zu müssen?
Chatroompräsenz statt Hausbesuche? Affenschwanz statt Händedruck?

Der Einzug moderner Medien stellt in der Tat eine Herausforderung für die Gestaltung des Pfarramtes dar.
Mein Instrument als Pfarrer ist schließlich überwiegend das Wort. Und dieses will auf der Kanzel, am Grab, bei Hausbesuchen und in seelsorgerlichen Begegnungen
sorgfältig und treffend eingesetzt werden. Jedes gute Gespräch jedoch gründet auf einer gelungenen Anschlussphase, in der zwischen zwei Menschen ein Einvernehmen hergestellt wird, das Kommunikation erst ermöglicht.

Und gerade hier hat die Kirche die Aufgabe genau
hinzuschauen, wo sich denn die Menschen treffen, auf welchen Foren sie wie kommunizieren.
Apostel Paulus ging in Athen täglich auf die Agora, „um mit denen zu reden, die sich gerade einfanden.“ (Apg 17,7)
Eine antike Analogie zum Chatroom? Jedenfalls ein Beispiel dafür, wie Kirche auf der Klaviatur der Kommunikationswege und -orte zu spielen hat, sich nicht beleidigt in ihre Kirchengemäuer zurückziehen darf, sondern zu Herzen nehmen muss, was der Thalwiler Literat Emil Oesch formuliert hat:

Die Leute wünschen nicht, daß man zu ihnen redet. Sie
wünschen, dass man mit ihnen redet.

Gerade moderne Kommunikationsmittel erleichtern es
mir, auf denjenigen Plattformen präsent zu sein, auf denen ZeitgenossInnen sich mehr und mehr mitzuteilen pflegen, und so manchen Anschluss an Menschen zu schaffen.
Der stark interaktive Charakter von SMS und E-Mail ermöglichen es mir, relativ niederschwellig und auch
offen mit verschiedensten Menschen ins Gespräch zu kommen. SMS oder E-Mail -Dialoge sind Begegnungen begrenzter Art, öfters aber schaffen sie ein „Joining“, einen Anschluss, das den Weg zu einem Gespräch unter vier Augen erst ebnet. In diesem Sinn sind SMS und Email für
mich zu wichtigen Arbeitsinstrumenten meiner Beziehungsarbeit geworden. SMS-Antwort an Ratsuchende zwei Min. nach offiziellem Unterrichtsbeginn: „Klar, chum doch verbi, bi ab de achti wieder dehei.“
Übrigens: Sie finden unsere Website unter www.ref.ch/zollikon.
Pfarrer Simon Gebs


„Begegnungen halten uns am Leben"
Fragmente aus der pfarramtlichen Arbeit


Das Jahr 2000 stand, abgesehen von den immer wiederkehrenden Aufgaben, im Zeichen von neuen Aufgaben und einigen Versuchen. Unterdessen hat sich der Abendgottesdienst, der alle zwei Wochen am Mittwochabend im Dorf stattfindet, in einem kleineren Kreis schon fast
etabliert.
Das Konfirmandenlager, das zum zweiten Mal auf den Hausbooten durchgeführt wurde, wiederum zeigte, dass Erfahrungen dieser Art für Jugendliche nicht nur Identität stiften, sondern einen erlebten Zugang zur eigenen Religiosität fördern.
Die Osternachtfeier wurde dieses Jahr zum ersten Mal ökumenisch durchgeführt. Aufgrund der guten Atmosphäre im Dorf hielten wir diesen Schritt für möglich. Für die reformierten Kirchenbesucher war dies teilweise ein Erstkontakt mit einer Osternachtfeier überhaupt, für die
katholischen Kirchenbesucher überraschte die gemeinsame Abendmahl- und Eucharistiefeier.
Der Hauptstrom der Reaktionen war positiv. Interessant war, dass der Gottesdienst, abgesehen von den traditionell katholischen und evangelischen Besuchern, von vielen „ökumenische Paaren bzw. Familien" besucht wurde, die deutlich zum Ausdruck brachten, dass Gottesdienste
dieser Art für sie der Ort seien, wo sie gemeinsam Heimat fänden. - Dabei wird es für beide Seiten noch einiges zu lernen geben - sowohl in der Gestaltung der Feier, die für manche Reformierte noch zu viel Liturgisches beinhaltet und zu überladen ist, als auch im ökumenischen Dialog überhaupt.
Es reicht nicht, eine bestimmte Anzahl Gottesdienste im Jahr
gemeinsam zu feiern, es tut auch not, hin und wieder gemeinsam ein Thema zu bearbeiten, wo es möglich wird, das Verständnis der eigenen Tradition dem jeweils andern aufzuzeigen.
Herausstreichen möchte ich grundsätzlich die Tatsache, dass im Feld Ökumene an der Basis längerfristig und kontinuierlich an einem gegenseitigen Näherkommen gearbeitet werden muss, gerade und trotz der momentanen Entwicklung an der Spitze der katholischen Hierarchie.
In unserer Gemeinde gibt es seit neun Jahren eine Witwengruppe. Die Frauen dieser Gruppe sind heute in einem vorgerückten Alter - zwischen 91 und 76 Jahren.
Sie sind aber offen, interessiert und entwickeln viel Eigeninitiative. Im Laufe der Zeit zu einer Gemeinschaft
zusammengeschmiedet, lebt diese Gruppe von der Freundschaft der einzelnen zueinander, den gemeinsamen Unternehmungen und auch von geistigem Austausch, gegenseitiger Anteilnahme und Hilfe.
Bei den dreiwöchentlichen Zusammenkünften stehen neben dem gemeinsamen Mittagessen und der Pflege der Beziehungen die thematischen Schwerpunkte im Zentrum.

Gemeinsam mit der Gruppe wird ein Halbjahresprogramm erarbeitet, das die Frauen mitbestreiten. Die Themen bewegen sich zum einen im Bereich der konkreten Lebensfragen, die sich in diesem Alter mit dem Alleinsein durch den Partnerverlust stellen. Einer der „Höhepunkte" war dieses Jahr an einem Abend das gemeinsame Essen mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden und dem anschliessenden „Gespräch zwischen den Generationen": Für beide Seiten eine sehr beglückende Runde. Weiter werden allgemeine Themen wie „Was heisst erfülltes Leben"? oder „Vom Umgang mit der Zeit" oder das seit
einiger Zeit aktuelle der Sterbehilfe diskutiert.
Dabei stehen neben allgemeinen Überlegungen
natürlich auch immer Meinungen zu persönlichen Situationen im Vordergrund: Wo stehe ich?
Ganz abgesehen von der Tatsache, dass viele von diesen Frauen oft in verschiedener Weise am Gemeindeleben teilnehmen, bestätigt sich für mich, wie „gemeindebildend" solche Gruppen an sich sind: Leidensgenossinnen, verbunden in ihrer Verschiedenheit durch ein ähnliches
Schicksal, die versuchen, das Leben neu zu leben, finden hier geistige Nahrung, Rückhalt und geben sich gegenseitig Halt.

Ins Kapitel der „Versuche" gehört in Zusammenarbeit mit René Schärer bzw. Reto Nägelin und Barbara Frey ein Ausbau und /oder Einbezug von Jugendlichen in Gottesdienste und das Planen und Durchführen der ersten Zolliker Band Night am 23. September ( vgl. Bericht im ZoBo).

Die Reaktionen der Erwachsenen auf die Gottesdienste mit Jugendlichen waren gemischt. Der Besuch des Gottesdienstes vom 16. April 2000 zum Beispiel, der unter dem Thema: Help! stand, war gut und altersmässig sehr durchmischt. Ein deutlich anderes Publikum als in den normalen Gottesdiensten. Viele begeisterte Reaktionen auf die Musik und den Beitrag der Jugendlichen - auch gerade von alten Leuten, aber auch leider indirekte Kritik am
Ungewohnten.
Dies war für alle diejenigen, die sich bemüht hatten und gearbeitet hatten, sehr schmerzhaft, weil die Kritik auf eine Weise daherkam, die den Eindruck erweckte als sei es
eigentlich nicht erwünscht, etwas Neues zu versuchen! Wenn sich junge Menschen in der Kirche in einer Weise exponieren, dies zu tun nur wenige Erwachsene sich überhaupt getrauen, wünschten wir uns eine direkte und konstruktive Kritik, die es auch erlaubt, Verbesserungen
anzubringen.
Die Gefässe für die Beiträge und die Arbeit der Jungen muss für das Jahr 2001 neu überdacht
und konsolidiert werden!
Pfrn. Sabina Hösli


Das Älterwerden ist weniger ein Zustand als eine Aufgabe. Löst man jene, so ist das Alter mindestens
ebenso schön wie die Jugend, und der Tod ist dann kein Ende, sondern Frucht.


Von Eugen Diederichs


Ist das Altern eine "sich-selbsterfüllende Prophezeiung?"
- Altersarbeit als Prävention


"Altwerden will gelernt sein"! Zu dieser Erkenntnis gelangen Menschen meist dann, wenn das Alter Mühe macht. Der heutige alte Mensch kann sich in Bezug auf das Altwerden kaum auf Erfahrungen von Vorfahren stützen, denn das Phänomen der Langlebigkeit ist ein Ergebnis des Wohlstandes und des hohen medizinischen Standards, und somit eine Nachkriegserrungenschaft.
Die Dauer eines Menschenlebens wird vermutlich von Gott bestimmt. Das heisst, dass wir dem Leben nicht mehr Tage geben können.
Sehr wohl können wir aber durch ein gesundheitsbewusstes Verhalten den Tagen mehr Leben geben. Von dieser Gewissheit lassen wir uns in der Altersarbeit und Altersbildung leiten.
Noch immer herrscht in unserer Gesellschaft ein negatives Altersbild vor. Es ist geprägt von Defiziten: "Alte Menschen sind gebrechlich, vergesslich, pflegebedürftig". Angesichts solcher Bilder stellt sich die berechtigte Frage, ob das Altern nicht das Ergebnis einer "sich-selbsterfüllenden
Prophezeiung" ist.

Dem Alter vorurteilslos begegnen, soziale, physische und psychische Veränderungen rechtzeitig erkennen und ihnen wenn möglich entgegenwirken, sowie die Möglichkeit des
Austausches mit anderen alten Menschen - ein Anliegen, das uns am Herzen liegt.
Das Umsetzen dieses Anliegens in der täglichen Altersarbeit ist ein Beitrag zur Prävention, denn positive Altersbilder beeinflussen das Ergebnis einer "sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung" auch positiv.

Praxisbezogen heisst das, dass wir "Wohlbefinden im Alter, Leistungsfähigkeit im physischen und geistigen Bereich, Kreativität und Spiritualität" mit Gruppen oder in Einzelgesprächen thematisieren.
Es ist uns ein grosses Anliegen, vorhandene Ressourcen beim alten Menschen zu stärken, verloren geglaubte wieder zu entdecken und nur dort zu stützen, wo es wirklich
notwendig ist.
So können alte Menschen in ihren persönlichen Kompetenzen wahrgenommen werden und möglichst lange ein Leben in Autonomie und Würde verbringen.
Sozial-Diakonische Dienste Carmen Jucker und Alex Kohli


Ökumene

Dies war neu: ein rein protestantischer Gottesdienst in der katholischen St. Michaelskirche und am folgenden Sonntag eine rein katholische Messe in der protestantischen Kirche Zollikerberg.
Neu, weil kein ökumenischer Gottesdienst, unter Mit- und Zusammenwirkung beider Seiten! Ums Verstehen ging es und soll es auch weiterhin gehen. Ums Verstehen von sich, seiner eigenen Kirche – vom anderen und dessen Kirche. Kirche im jeweiligen gottesdienstlichen Vollzug.


Es gab eine Zeit, da schlugen sich Protestanten und Katholiken die Köpfe ein. Später gab es eine Zeit, da mied man sich gegenseitig. Gesittet ging man sich aus dem Wege. Das war nichtvon Gutem.
Genauso wenig, wie wenn bloss vom Gemeinsamen gesprochen wird. Einebnung, protestantische und katholische Mischkultur als Eintopfgericht dient der Sache genauso wenig wie absolute Trennung.

Es ging und soll auch weiterhin gehen ums Verstehen des Unterscheidenden. Ums Verstehen des fundamental Andersartigen des Anderen, das sich in den eigenen Fundamenten aber ebenso wenig verdrängen lässt wie das Eigene.
Gleichsam archetypisch sind wir auch vom Anderen mitgeprägt. Diese Prägungen gilt es aufzuspüren und zu verstehen.

Keine der drei Theologien im NT besitzt die Wahrheit als solche. Weder die paulinische, die lukanische noch die johanneische. Keine der aus diesen Theologien resultierenden Kirchen besitzt die Wahrheit. Weder die protestantische, noch die katholische, noch die orthodoxen
Kirchen. Alle sind geschichtliche Produkte und sind dementsprechend unterwegs.
Unterwegssein heisst aber auch Neues kennenlernen Dies war neu: im jeweilig eigenen Kirchenraum das Andere, das erklärt wurde. Pfr. A. Durrer hat die Messe erklärenderweise
vollzogen.
Erklärungen – sie brachten nicht nur für uns Protestanten Klärendes!

Der eingeschlagene Weg soll weitergegangen werden. Wir können nicht mehr hinter die Aufklärung zurück!
Pfarrer Thomas Koelliker


Jugendarbeit

Ich möchte dieses Jahr nicht einfach nur zusammenfassend erzählen, was alles in der Jugendarbeit gelaufen ist, obwohl es einige erwähnenswerte Ereignisse wie das Konflager in
Frankreich, diverse Jugendgottesdienste oder die Zolliker Bandnight im letzten September gäbe.

Eines meiner Projekte in der Zolliker Jugendarbeit ist die Leitung von OnStage, einem Poprock- Projekt für Jugendliche, die zusammen moderne Musik machen, diese an öffentlichen Auftritten einem meist jungen Publikum präsentieren oder in Gottesdiensten mitspielen und singen
(Zolliker Bandnight im September/Ökumenischer Gottesdienst im Januar 01 in der kath. Kirche
in Zollikon).

An dieser Stelle sei ein Einblick gewährt in einen Probeabend dieser Gruppe, die aus einem Chor und aus einer Band besteht. Beide proben meist getrennt. Vor einem Auftritt häufen sich jedoch die gemeinsamen Proben.
Vor der Probe gilt es, alle Konzertinformationen
bereitzustellen, alle Noten nochmals durchzuchecken, die einzelnen Songs und den Probe- und Konzertablauf sich zu vergegenwärtigen.

Danach geht es an das Installieren der Musikanlage, der Verstärker, des Schlagzeugs etc., wobei natürlich die Band mithilft. Steht die Infrastruktur und ist sie einmal richtig eingestellt geht es ans Proben.
Zuerst die Instrumentalstücke ohne Gesang, später diejenigen mit Gesang, aber noch ohne Chor. Dann geht es ans volle Programm:

Zwanzig Teenager und junge Erwachsene im Saal des Kirchgemeindehauses, die hinter Mikrofonen und Instrumenten auf ihren Einsatz warten. Dazwischen Koordination verschiedenster Fragen wie „Wie lange geht die Probe, ich habe morgen eine grosse Physikprüfung“ über „können wir den letzten Song nochmals spielen“ bis zu „ich habe meine Songtexte zu Hause vergessen“ oder einfach „wann ist Pause, ich brauche eine Zigarette bzw.
habe Durst oder muss austreten.“ Als Gegenstück meinerseits: „im Refrain lauter singen, die Band in der Strophe mehr piano, und der Refrain kommt nicht auf den ersten Schlag, sondern ist vorgezogen, please.“ Die Probe dauert von 19.00 Uhr bis nach halb zehn und ist für alle
Beteiligten anstrengend, gibt aber allen auch das Gefühl etwas geleistet zu haben bzw. etwas zu können.
Dazu kommt das Gefühl des „Miteinenander-am-gleichen-Strick-ziehen“.

Vor dem Aufräumen kommen die letzten Infos bezüglich des Auftritts, danach finden bei Jöggele und Billard oft gute Gespräche statt, die sich bis auf den Heimweg weiterziehen.

Wie sich das Ergebnis der Probearbeit anhört finden Sie am besten selbst heraus an einem unserer Auftritte.
René Schärer, Jugendarbeiter


Veränderungen

Aeusserlich hat sich an meiner Arbeit in der Gemeinde im Jahre 2000 kaum etwas geändert.
Ich habe Gottesdienste und Abdankungen vorbereitet und gehalten, einen Teil des theologischen Kurses im Frühjahr durchgeführt, in den Altersheimen Andachten gestaltet
und viele Besuche gemacht. Unverändert blieb auch meine Freude an solchem Tun.

Trotzdem war es anders als sonst, denn es war mein letztes ganzes Amtsjahr.
Die Änderungen auf die Pensionierung Ende März 2001 wollten geplant sein. Persönlich musste ich mir überlegen: Welche Tätigkeiten will ich weiter ausüben, welche neu beginnen in den kommenden Jahren? Die Wohnungsfrage hat mich stark beschäftigt, denn als Pfarrer muss
man das Amtshaus verlassen, für die Nachfolge Platz machen.
Das System der Amtswohnungen gibt zwar für Pfarrer und Behörden einige Umtriebe, doch im Prinzip halte ich es für richtig. Es zeigt auch, dass es nicht um die Person des/der in einer bestimmten Zeit Amtierenden geht bei der Verkündigung des Evangeliums in der Welt.
Wichtig ist, dass die Gemeindeglieder wissen: In diesem Hause wohnt ein Pfarrer/eine Pfarrerin, hier kann ich
mich melden mit meinen Anliegen.

Auf die Arbeit hatte diese besondere Situation doch ihre Auswirkungen. Manches Mal dachte ich: Das machst du nun zum letzten Mal in Zollikon, z.B. den Dankabend für die freiwilligen Mitarbeiter gestalten. Doch wie gesagt, gegen aussen kamen die anstehenden Veränderungen kaum zum Vorschein.
Und das ist gut so. Denn das Wesentliche bleibt sich in allem Wechsel der Formen und Personen für uns Christen gleich:

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist ,welcher Jesus Christus ist.
1. Korinther 3,11

Allen, die mit mir zusammen auf diesem Grund bauten in den fast 23 Jahren Amtszeit danke ich herzlich.
Pfrn. Erika Sundin



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