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Jahresbericht 2005

Jahresbericht der Kirchenpflege Nicht dass ich es schon ergrif-fen hätte oder schon zur Vollendung gekommen wäre; ich jage ihm aber nach, ob ich es wohl ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen worden bin.
Phil. 3, 12

Paulus erklärt der Gemeinde in Philippi, dass die Erkenntnis von Jesus Christus von überragendem Wert ist. Es gelte diese Erkenntnis zu gewinnen. Paulus richtet seinen Blick nicht auf die Vergangenheit; er hält die Zukunft vor Augen. Was Paulus der Gemeinde in Philippi sagte, gilt für alle christlichen Gemeinden, auch für unsere. Es ist Aufgabe der Verkündigung, diese Erkenntnis zu fördern. Die Verkündigung in all ihren Formen gehört zum „Kerngeschäft“ der Arbeit der Kirchenpflege und der Mitarbeitenden. Es wird uns jedoch kaum gelingen, diese Aufgabe in vollkommener Weise zu erfüllen. Die Pfarrerin und die Pfarrer, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Mitglieder der Kirchenpflege und last but not least alle freiwilligen Helferinnen und Helfer können sich aber jeden Tag neu auf den Weg machen und der Erfüllung dieser Aufgabe im Sinne der Erkenntnis von Jesus Christus nachjagen. Die Kirchenpflege hat sich als Behörde aber auch einer Reihe von „irdischen“ Aufgaben anzunehmen. Finanzen müssen beschafft und verwaltet werden. Gebäude sind in Stand zu halten. Eine tragfähige Organisation ist zu schaf-fen, die eine effiziente Zusammenarbeit aller Beteiligten ermöglicht.

Im personellen Bereich haben sich verschiedene Änderungen ergeben:
Am 1. Januar 2005 hat Herr René Hirschi seine Stelle als Sigrist des kirchlichen Zentrums Zollikerberg angetreten. Er versieht diese Aufgabe zusammen mit seiner Frau Franziska Hirschi, der langjährigen Sigristin im Zollikerberg.
Ebenfalls zu Jahresbeginn trat Herr Andreas Aeschlimann seine Stelle als Verwaltungsassistent an. Er arbeitet auch in der Redaktionskommission des Lokalteils des Kirchenboten mit.
Da Frau Hanni Rüegg ihr Pensum als Katechetin reduzieren wollte, wählte die Kirchenpflege Frau Marion Elsener als weitere Katechetin. Sie hat ihre Stelle nach den Sommerferien angetreten.
Im Laufe der zweiten Jahreshälfte wirkte ein Zivildienstleistender zu unserer vollen Zufriedenheit in der Jugendarbeit mit.
Ende Jahr trat unsere Organistin, Frau Susanne Hess, in den Ruhestand. Wäh-rend rund dreizehn Jahren spielte sie in den Gottesdiensten und bei Kasualien die Orgel. Ihre Orgelmatineen und Orgelkonzerte werden vielen Gemeindegliedern in guter Erinnerung bleiben. Frau Hess wurde anlässlich des Silvestergottesdienstes offiziell verabschiedet. Wir danken ihr für die geleisteten Dienste.
Auf den 1. Januar 2006 hat die Kirchenpflege Frau Regina Widmer als neue Organistin gewählt. Frau Widmer hat ihre Ausbildung zur Organistin an der Hochschule für Musik und Theater in Bern absolviert, wo sie mit dem an-spruchsvollen Konzertdiplom abgeschlossen hat. Neben ihrer Ausbildung wirkte sie in einer bernischen Gemeinde als Organistin.
Im Berichtsjahr erfolgten die Bestätigungswahlen der Pfarrer an die beiden or-dentlichen Pfarrstellen, Pfarrer Thomas Koelliker und Pfarrer Simon Gebs. Nachdem die beiden Pfarrer von der Kirchenpflege zur Wiederwahl empfohlen worden sind und von den Stimmberechtigten innert Frist keine Urnenwahl verlangt worden ist, konnten sie durch die Kirchenpflege am 22. November als in stiller Wahl für die Amtszeit 2006 bis 2012 gewählt erklärt werden.
Ende Juni 2006 läuft die Amtszeit der zeitlich befristeten Pfarrstelle ab. Die Kirchgemeindeversammlung vom Juni 2005 war mit einer Verlängerung um weitere 3 Jahre einverstanden. Die Kirchenpflege beantragte deshalb beim Kirchenrat, die Weiterführung der zeitlich befristeten Pfarrstelle bis Ende Juni 2009 zu bewilligen und die jetzige Amtsinhaberin, Pfarrerin Anne-Käthi Rüegg-Schweizer, wieder an die Stelle zu wählen. Dem Gesuch ist entsprochen worden. Allerdings bewilligte der Kirchenrat die Stelle nicht mehr zu 100% wie bisher, sondern nur noch zu 80%. Die Kirchenpflege erachtete es jedoch für nötig die Stelle weiter mit einem Vollpensum zu besetzen. Zur Ergänzung der fehlenden Stellenprozente wurde deshalb der Kirchgemeindeversammlung vom Juni 2005 die Schaffung einer gemeindeeigenen Pfarrstelle beantragt. Die Kirchgemeindeversammlung hat diesem Antrag zugestimmt, die Stelle jedoch bis Ende Juni 2012 befristet. Im November 2005 empfahl die Kirchgemeindeversammlung die Wahl von Pfarrerin Anne-Käthi Rüegg-Schweizer an die gemeindeeigene Pfarrstelle an der Urne. Die Urnenwahl findet am 12. März 2006 statt.
Im Frühjahr befasste sich die Kirchenpflege auch mit der Erneuerungswahl der Kirchenpflege im Jahre 2006. Acht der elf Mitglieder stellen sich für eine Wiederwahl zur Verfügung. Drei Mitglieder - unter ihnen der Präsident- werden nach langjähriger Mitgliedschaft zurücktreten. Ein vierköpfiges Wahlkomitee - vier Gemeindeglieder unter dem Vorsitz von Dr. Jean-Marc von Gunten – machte sich auf die Kandidatensuche: erfolgreich. Drei Gemeindeglieder konnten für eine Mitarbeit in der Kirchenpflege gewonnen werden. Fristgerecht wurde eine vollständige Kan-didatenliste an die Politische Gemeinde für die Erstellung der Wahlliste weitergeleitet.
Ende Jahr umfasste unsere Kirchgemeinde 5’009 Gemeindeglieder. 17 sind aus unserer Kirche ausgetreten, vier eingetreten.
Wichtiges aus dem kirchlichen Leben sei hier zusammengefasst:
Die Landeskirche hat ein neues religions-pädagogisches Konzept aufgestellt. Die Kirchenpflege beschäftigte sich mit der Frage der Umsetzung.
Im Juni sind in unserer Gemeinde 44 Jugendliche konfirmiert worden. Für das Konfimandenjahr 2005/2006 meldeten sich im Zollikerberg nur drei Jugendliche. Sie besuchen nun den Konfirmandenunterricht in den Klassen im Dorf.
Am Kolibri (früher Sonntagsschule) nehmen wöchentlich rund 50 Kinder teil. Das von Frau Brigitt Gebs konzipierte Weihnachtsspiel im Zollikerberg – von den Kindern anlässlich eines auswärts verbrachten Wochenendes einstudiert – hat die Besucherinnen und Besucher tief beeindruckt. Im Freien wurde an verschiedenen Standorten Szenen aus der Weihnachtsgeschichte aufgeführt.
Grossen Anklang fand auch die ELKI-Weihnachtsfeier. In der voll besetzten Dorfkirche feierten die kleinen Kinder zusammen mit ihren Eltern.
Das Projekt „Begleitetes Wohnen“ in einer Liegenschaft der Kirchgemeinde wurde erfolgreich weitergeführt. Vier Jugendliche leben in einer Wohnung und werden von Frau Brigitt Gebs fachgerecht begleitet.
In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Kulturkreis wurde am 25. Sep-tember der Täufer-Film „Im Leben und über das Leben hinaus“ von Peter von Gunten gezeigt. Vor der Filmvorführung fand unter der Leitung von Martin Walder ein Gespräch mit dem Regisseur statt. Die Täuferbewegung nahm nach der Reformation in Zollikon ihren Anfang und breitete sich dann bis nach Amerika aus.
Die Kirchenpflege hatte sich mit einer Vernehmlassung zur Teilrevision der Kirchenordnung – dem Grundgesetz unserer Landeskirche - zu befassen. Das neue Kirchengesetz, das aufgrund der neuen Kantonsverfassung erlassen werden muss, ist noch nicht verabschiedet. Aus diesem Grund wird nur eine Teilrevision der Kir-chenordnung durchgeführt.
Ein grosser Teil der Arbeit der Kirchenpflege lag im administrativen Bereich:
Die Liegenschaftenverwalter hatten sich insbesondere mit Renovationen (Innen-renovation des Sigristenhauses im Zollikerberg, Renovation der Garage Zolliker Strasse 94, Ersatz der Abwasser-Tauchpumpe im Untergeschoss der Dorfkirche), mit der Bearbeitung von feuerpolizeilichen Massnahmen im kirchlichen Zentrum Zolliker-berg und mit der Bau- und Zonenordnung zu befassen.
Die Steuereinnahmen waren in den letzten Jahren rückläufig. Die Kirchenpflege baute deshalb die Kostenkontrolle aus und leitete sorgfältig abwägend Sparmass-nahmen ein. Der Kernbereich der Aufgaben in unserer Kirchgemeinde sollte so we-nig wie möglich unter dem Spardruck leiden. Eine Steuererhöhung auf 7% war je-doch unumgänglich. Ein weiterer Verzehr unseres Eigenkapitals hätte die Liquidität gefährdet und war deshalb nicht zu verantworten.
Nicht zuletzt wegen der Sparmassnahmen sind verschiedene Reglemente neu erstellt oder angepasst worden. Das Reglement über die Benützung kirchlicher Räu-me ist überarbeitet worden, wobei insbesondere die Mietgebühren erhöht werden mussten. Ferner sind ein Reglement für die Entschädigung von Aushilfen und ein Merkblatt für die Freiwilligenarbeit verabschiedet worden.
Schliesslich gab sich die Kirchenpflege eine Geschäftsordnung. Darin sind neben den allgemeinen Abläufen für die Tätigkeit dieser Behörde auch die Aufgaben der einzelnen Ressorts in detaillierten Aufgabenbeschrieben geregelt.
In einer eintägigen Retraite im Februar befasste sich die Kirchenpflege mit denk-baren Szenarien der demografischen und finanziellen Entwicklung und deren Aus-wirkung auf die weitere Planung.
Eine zweitägige Retraite im Oktober galt dem Thema „Reformierte Identität“. Die Mitglieder der Kirchenpflege, die Pfarrerin und die Pfarrer, sowie die Mitarbeitenden der Sozial-diakonischen Dienste und der Jugendarbeit befassten sich zunächst mit ihrer persönlichen Einstellung zum reformierten Christentum, zur evangelisch-reformierten Landeskirche und zur Zolliker Kirchgemeinde. Raffael Walthert als ex-terner Referent orientierte über die Tendenz der religiösen Entwicklung in den letzten 10 Jahren. Professor Ernst Saxer behandelte in Referat und Gruppenarbeit das Thema „Reformiert sein“. Die Teilnehmer dachten anschliessend darüber nach, an welchem Schwerpunktthema weiter zu arbeiten sei. Es wurde entschieden, im Jahre 2006 das Thema „Gottesdienst“ vertieft zu behandeln.
Die nachfolgenden Berichte des Mitarbeiterkonvents zeigen weitere Facetten des Lebens unserer Kirchgemeinde auf. Die Kirchenpflege dankt der Pfarrerin und den Pfarrern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des sozial-diakonischen Dienstes und der Jugendarbeit, der Organistin und dem Organisten, den Sigristinnen und den Sigristen und den Mitarbeitenden der Verwaltung für ihre Treue und ihr engagiertes Wirken. Ganz besonders danken wir der grossen Anzahl von freiwilligen Helferinnen und Helfern, die die Mitarbeitenden bei der Erfüllung der Aufgaben in der Kirchge-meinde unterstützen.

Martin Eich, Präsident



Mitarbeiterkonvent Gedanken zur Freiwilligenarbeit in Zollikon

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zollikon verfügt über einen ansehnliche Zahl von Mitarbeitenden. Eine Pfarrerin, zwei Pfarrer, zwei Sozial-Diakonische Mitarbeiter sowie 2 Jugendarbeiterinnen, zwei Verwaltungsangestellte, Sigristen und Kirchenmusiker bilden den Mitarbeiterstab. Reichlich Ressourcen, um die kirchliche Grundversorgung sowie ein vielfältiges kirchliches Angebot zu ermöglichen - meint man. Wirft man einen zweiten Blick auf die verschiedensten Angebote, Treffs, Projekte und Gottesdienste in unserer Kirchgemeinde, so wird sehr schnell ersichtlich, wie sehr Kirche von Freiwilligen lebt, die sich mit ihren Begabungen und Erfahrungen einbringen. "Freiwillig" ist dabei ein leicht missverständliches Wort. Gewiss, insofern der oder die (in der Mehrzahl sind es "die") Einzelne ehrenamtlich, d.h. ohne Bezahlung einen Dienst in der Kirchgemeinde versieht, ist der Begriff korrekt. Aus innerer, theologischer Perspektive greift der Begriff "freiwillig" zu kurz, da die Sache, die damit ge meint ist, wesentlich verbindlicher gedacht ist. Denn reformierte Kirchgemeinde lebt gerade nicht von der Pfarrerin und dem Pfarrer, und deren Predigten, von Sozial-Diakonischen Mitarbeitern und deren Seniorennachmittagen… Christliche Gemeinde nach reformiertem Verständnis lebt vom "dienet einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. "Kirche ist keine Serviceorganisation, in der Profis ihre Dienstleistungen bringen und der Rest je nach Bedürfnis auf diese Servicestation zurückgreifen kann. Kirche ist eine Weggemeinschaft von Menschen, die sich um ein Kraftzentrum scharen, daraus Kraft schöpfen und ein engagiertes Miteinander in einer Vielzahl von Aktivitäten entwickeln. Kirche ist nicht vornehmlich eine Institution (obwohl sie dies auch sein muss), sondern immer wieder "Ereignis", wo Menschen sich begegnen, sich mit ihren Ideen, Leidenschaften aber auch Fragen und Zweifeln einbringen. Gewiss, die uns zur Verfügung stehenden Mittel werden knapper werden, über kurz oder lang werden Steuereinnahmen und Mitgliederstand schrumpfen. Allein daraus eine neue Notwendigkeit der Freiwilligenarbeit abzuleiten, wäre zu wenig und vor allem von Angst bestimmt. Kirche kann es nicht darum gehen, sich und ihren Apparat zu erhalten. Kirche ist gelebte Gemeinschaft von Menschen, die sich auch heute noch von der Botschaft Jesu bewegen lassen. In diesem Sinn kann die Freiwilligenarbeit für unsere reformierte Kirche nicht freiwillig sein, da sie unverzichtbar zu ihrem kirchlichen Selbstverständnis gehört. Daher geniesst die aktive Mitwirkung von Freiwilligen in Altersbildungstagen, in Jugendprojekten, Konflagern und Weekends, in Eltern-Kind Gottesdiensten, im Kolibri und Besuchsdienst u.v.a.m. hohe Priorität. Kirchenpflege und Mitarbeiterkonvent legen auf Grund eigener theologischer Überzeugung wie auch auf x-fachen Erfahrun gen grossen Wert auf die Bereitschaft, auf das Know How und auf die Kapazität von Freiwilligen (das Wort "Laie" ist aus dem reformierten Vokabular zu streichen). Un sere Kirchgemeinde muss ein Ort sein (oder vielleicht besser: immer wieder ein Ort werden), wo Menschen sich für sich und andere gewinnbringend einbringen und einmischen können.

Im 2005 wurden in der Kirchgemeinde Zollikon von weit über 150 Personen unzählige unbezahlte Stunden geleistet. Ihnen gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank - ohne sie wäre die Kirchgemeinde Zollikon nicht denkbar. In Zukunft wird für unsere Kirchgemeinde noch verstärkt gelten: Betreuung ist bequem, Beteiligung ist befriedigend. Nicht subtiler Moralismus oder Vorwurf zwischen den Zeilen sollen dabei wegweisend sein, sondern der Glaube daran, dass gemeinsames Anpacken für die Sache Christi spannend, gemeinschaftsfördernd und sinnstiftend ist.

Simon Gebs


Zolliker Gemeindereise in den Osten von Deutschland

33 Teilnehmer versammelten sich am Samstag, 10. September 2005, um eine Wo che lang sich auf die Spuren von Luther und Bach zu begeben. Dass unter den Teilnehmern fast 1/3 katholischen Glaubens waren, die selbstverständlich das Angebot der protestantischen Kirche in Anspruch nahmen, um zwei Vertretern des Deutschen Luthertums an deren Wirkungsstätten zu begegnen, ist ein deutliches Zeichen unserer gelebten Oekumene in Zollikon.

Die Rundreise führte uns über Rothenburg ob der Tauber, Eisenach, Wartburg, Erfurt, Weimar, Arnstadt, Naumburg, Eisleben, Leipzig, Wittenberg, Dresden, Sächsische Schweiz und über Nürnberg zurück an unseren Ausgangspunkt. Städtenamen, die alle für das Europa stehen, wie wir es heute kennen.

Und ebenso Luther und Bach: Reformator und Musiker, die weit über ihre unmittelbaren Wirkungsstätten hinaus sowohl räumlich wie zeitlich wirkten und wirken.

Dass die Reiseroute uns in die ehemalige DDR führte, liess nicht nur längst vergangene Jahrhunderte wach rufen, sondern auch die Jahre des 2. Weltkrieges und des "Kalten Krieges".

Es war ein gedrängtes Programm, das die Teilnehmer erwartete. Die Ruhezeiten waren kurz bemes sen, individuelles Ausscheren nur dann möglich, wenn es die Programmpunkte erlaubten. Doch alle hielten durch, liessen sich von zumeist guten Reiseführern an den jeweiligen Orten begeistern. Das Inte resse liess ebenso wenig nach wie der Humor.

Und daneben, sei es im Bus oder vor, bei oder nach den gemeinsamen Mahlzeiten, wurde das Gesehene und Gehörte im Gespräch ausgetauscht. Wir alle haben ja unsere Vorstellungen von Luther und seiner Umgebung, von Bach und seiner Zeit. Nicht immer stimmten diese Vorstellungen mit dem unmittelbar Erfahrbarem überein. Gerade dies macht eine solche Kulturreise so spannend. Und da gab es welche, die sich jahrelang nicht mehr gesehen hatten, die seit den Jugendjahren nichts mehr voneinander gehört haben - und da trifft man sich auf einer gemeinsamen Reise. Und neben den alten Gesichtern galt es neue kennen zu lernen. Eine Weggemeinschaft im echten Sinne des Wortes!

Zurück bleibt eine Vielzahl von Eindrücken, Bildern, Erfahrungen, die jeder Teilnehmer auf seine Weise verarbeiten wird. Doch die Welt ist grösser geworden - und vielleicht wirkt sich dies auch auf die Begegnungen in unserer Gemeinde aus.

Thomas Koelliker


Neues Konzept bei der religiösen Erziehung

Im Jahre 2004 hat die Synode der evangelischen Landeskirche beschlossen, ihr Engagement bei der religiösen Erziehung von Kindern, Jugendlichen sowie deren Eltern zu verstärken, da die Beheimatung im evangelischen Glauben und die Begleitung im Leben zu den wesentlichen Aufgaben der Kirche gehören. Das biblische Erbe und die christliche Überlieferung soll in freiwilligen und verbindlichen Angeboten an Kinder, Jugendliche und Eltern weitergegeben werden.

Die Kirchgemeinden im Kanton Zürich haben sich im Rahmen dieses Konzeptes dazu verpflichtet, für Kinder, Jugendliche und Eltern bestimmte Angebote einzuführen.

Bisher waren es zwei, der Drittklass- und der Konfirmandenunterricht, die zur religiösen Erziehung dazugehörten. Beim vollen Ausbau des Konzeptes werden es fünf Angebote sein. Diese bilden ein in sich stimmiges Ganzes. Sie stellen Stationen auf dem Weg zur Konfirmation dar. Kinder und Jugendliche sollen sich in diesen Angeboten mit den Glauben und seinen Fragen altersgerecht auseinandersetzen können.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Margrit Keller (Kirchenpflege), Hanni Rüegg (Katechetin), Markus Hoffmann (Jugendarbeit) und mir haben mit den Vorbereitungen zur Umsetzung dieses Konzeptes in der Kirchgemeinde Zollikon begonnen. Sorgfältig wurde abgeklärt, wo auf bereits bestehende Angebote zurückgegriffen werden kann und welche Veränderungen nötig werden.

Als ersten Schritt möchten wir das Angebot Club 4 in der Mittelstufe während der
4. Klasse einführen. In diesem Alter werden die Kinder kritischer, beginnen Erfahre nes und Gehörtes zu reflektieren. Darum sollen biblische Geschichten zu Macht, Gerechtigkeit, Schuld und Versöhnung wie auch die biblischen Urgeschichten thematisiert werden. Sachwissen zur Bibel soll vermittelt werden. An einem Beispiel soll der Auftrag der Kirche aufgezeigt werden. Vor einer konkreten Auswahl der Geschichten und Themen wird noch das Gespräch mit den Lehrkräften gesucht, die an der Primarschule Religionsunterricht erteilen, um Überschneidungen zu vermeiden.
Club 4 soll für Kinder aus Zollikon und dem Zollikerberg gemeinsam angeboten werden. Der Unterricht soll in Modulen oder in einem Tageslager erteilt und mit einem gemeinsamen Gottesdienst abgeschlossen werden.

Nachdem wir ursprünglich eine Einführung des Club 4 im Schuljahr 2006/2007 ins Auge gefasst hatten, haben wir nach Rücksprache mit der Kantonalkirche beschlos sen, mit der verbindlichen Einführung noch zwei Jahre zuzuwarten. Wir möchten damit eine unnötige Konkurrenz zwischen B-Unterricht an der Schule und Club 4 ver meiden. 2008 wird an der Volksschule auch die Ablösung des B-Unterrichtes an der Volksschule durch das Fach „Religion und Kultur“ erfolgen. Die Veränderungen, die sich daraus ergeben, werden wir dann in unser Konzept aufnehmen. Das Tageslager möchten wir jedoch bereits im Frühling 2007 in unser Angebot aufnehmen.

Anne-Käthi Rüegg-Schweizer


Wo man singt, da lass dich nieder ...

Zusammen mit einem Team eine Feier oder einen Anlass vorzubereiten, hat eine ganz besondere Qualität. Sich gemeinsam auf einen Weg zu machen, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen und ein Ziel zu formulieren ist bereichernd und auch eine grosse Chance. Es ist ein spannender Prozess, wenn vielfältigste Erfahrungen, Ressourcen und Ideen dann zu einem Ganzen zusammenfliessen.

Der Weltgebetstag unter dem Motto „Lasst euer Licht leuchten“ war ein „Gesamtkunstwerk“, an dem viele engagierte Köpfe freiwilliger Mitarbeiterinnen und Mitarbei ter mitgedacht und viele Hände und Herzen mitgewirkt haben. Lichtpunkte der Feier waren nicht nur die vielen Kerzen, welche von den Besucherinnen und Besuchern in der Kirche angezündet wurden, sondern die schönen Texte und Gebete des Gastlandes Polen, die fröhlichen Tänze und Jauchzer der polnischen Tanzgruppe Piast, der festlich dekorierte Kirchenraum und die mit viel Liebe und Kreativität hergestell ten „Bhaltis“ zum Mitnehmen. Das abwechslungsreiche Kuchenbuffet rundete diesen frohen und verbindenden Abend ab und stiftete nochmals Gemeinschaft.

„Wo man singt, da lass dich nieder ...„ Musik und Gesang haben eine alte Tradition im kirchlichen Leben und bilden einen wichtigen Bestandteil im gottesdienstlichen Kontext. In Wort und Melodie nehmen Lieder Themen des Lebens und Glaubens auf, lassen Emotionen und Erinnerungen freien Raum und laden Jung und Alt zum Mit machen ein. Das traditionelle „Offene Singen im Advent“ bekam dieses Jahr durch das Mitwirken der Zolliker Ohrewürm und des Zolliker Kinderchors I ein neues Ge sicht. Am schulfreien Mittwochnachmittag kurz vor Weihnachten füllte sich die Kirche im Berg mit Gemeindegliedern aller Generationen. Junge Eltern mit ihren lebendigen Knirpsen, stolze Grosseltern sowie singfreudige Seniorinnen und Senioren stimmten gleichermassen in die farbenfrohe Palette von alten bis zu ganz modernen Advents- und Weihnachtsliedern ein. Die Freude und Begeisterung der rund 40 Chorkinder wirkte ansteckend und so manches Herz fühlte sich wieder jung und unbeschwert. Das hervorragende Adhoc-Orchester aus Geigen, Kontrabass und Flöten unter der Leitung von Betti Hildebrandt trug das seinige bei, um die Sinne in weihnächtlicher Stimmung tanzen zu lassen. Stille und Nachdenken liess die Frage nach den Weih nachtswünschen der Kinder aufkommen. Nicht das erwartete Handy oder Marken-Tshirt wurden genannt. Friede und Zusammensein mit der Familie, das waren die Antworten unserer jüngsten Generation.

Ich freue mich auf weitere gemeinsame Projekte und auf ein kreatives Miteinander für eine lebendige und menschennahe Kirche.

Erika Elsener


Persönliche Zeitreise

Das Lieblingsspielzeug - ein Gute Nacht-Lied - das Weihnachtsessen zu Hause bei den Eltern - ein Lieblingsfach in der Schule - das strenge Gesicht des Grossvaters - das erste Familienfoto - Liebeskummer und der erste Kuss - erste berufliche Reisen - das Wetter am Hochzeitstag - die Geburt des ersten Kindes - Tod der Eltern - der 50. Geburtstag - vieles mehr - und was bleibt, wenn etwas bleibt?
Für mich persönlich bleibt die Erinnerung. Jean Paul nannte sie "das einzige Para dies, woraus wir nicht vertrieben werden können." Und Caroline Osborne beschreibt in dem Buch "Erinnern", dass nur wer sich erinnern kann, weiss, wer er ist.

In einem vierteiligen Kurs (Wer bin ich? Zeitreise - Biografiewerkstatt) im November durfte ich zusammen mit meiner Kollegin vom Zollikerberg 15 Personen im Alter von 57 bis 85 Jahren im sachlichen Ordnen und Betrachten ihres eigenen Lebensweges begleiten. Gelebtes Leben wird dabei mit Hilfe verschiedener Methoden, auch auf spielerisch-künstlerische Art nochmals erinnert. Rückblickend werden Lebensspuren verfolgt, Erlebnissen und Erfahrungen Bedeutung zugeschrieben. Fremd- und selbstgesetzte Strukturen werden deutlich, die sonst selten wahrgenommen werden. Der gewonnene Überblick eröffnet die Möglichkeit, einiges allenfalls neu zu bewer ten, zu würdigen und zu anerkennen. In jedem Leben tritt dabei auch Unerledigtes und Ungelebtes hervor. Brüche, Widersprüche und Scheitern können durch positive Verarbeitung durchaus zu einer versöhnten Lebensgeschichte reifen. Ein liebevolles Abschliessen von Ungelebtem ist eine Basis, um hoffnungsvoll in die Zukunft blicken zu können. Gewonnene Erkenntnisse können dann sinnvoll für die Zukunft genutzt werden und der Sinn des Lebens kann sich an den noch vorhandenen Lebensmög lichkeiten orientieren.

Man kann an dieser individualistischen Betrachtungsweise die Kritik üben, dass die Darstellung des eigenen Lebens oft wenig mit der Realität zu tun hat. Filter blenden Unerwünschtes häufig aus. Menschen konstruieren ihre eigene Wirklichkeit. Erinnern ist keine sachliche Beschreibung der Vergangenheit, sondern kreiert eine für den Einzelnen tragbare Wirklichkeit. Aus diesem Grund ist Biografiearbeit fragmentarisch. Der "Erzählende" entscheidet selbst, was er preisgibt. Daher ist weder Widerspruch noch Korrektur oder „Wahrheitsliebe“ notwendig, denn jedes Leben ist ein eigener, einmaliger Entwicklungsweg.

Die Kursatmosphäre war geprägt von viel Tiefe, Offenheit und Respekt, Spiritualität, aber auch Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Als Kursleiter wurden wir reich beschenkt durch das Interesse und Engagement der Teilnehmenden.
Die Rückmeldungen bestärken uns, neben unseren anderen sozial-diakonischen Aufgaben auch in Zukunft Unterstützung und Begleitung in Fragen der Ich-Werdung anzubieten.

Alex Kohli


Die Jugendarbeit ist ein schnelllebiges Pflaster. Kaum ist eine neue Sache eingeführt, ist sie schon wieder veraltet. Die Tendenz zur Unverbindlichkeit bei den Jugendlichen wächst. Diesem Trend können wir nicht einfach folgen, müssen aber doch Arbeitsformen finden, die dem Lebensgefühl der Jugendlichen entsprechen. Aus diesem Grund haben wir im Jahr 2006 vermehrt auf die Arbeit in Projekten gesetzt. Das grösste Projekt war dabei eine Reise nach Rumänien, auf die ich hier nä her eingehen will.
Sprachbarrieren werden mit Lächeln, Zeichen, Pantonmime oder Wörterbuch überwunden
Am Stefanstag, nachts um 2.00 Uhr, trifft sich das Team, das das Projekt vorbereitet hat, auf dem Gemeindeparkplatz in Zollikon. Die 17 Angehörigen dieses Teams sind bereit für eine Reise in den Osten Europas und haben lange auf den Sozialeinsatz in Rumänien hingearbeitet. Mittels einer ganzen Reihe verschiedener Aktionen haben sie das gesamte Lager selber finanziert. In seinem Gepäck bringt das jugendliche Team neben warmen Kleidern und Schweizer Schokolade unterschiedliche Erwartungen an den Verlauf der kommenden Tage mit: Vorfreude auf die Arbeit mit den Waisenkindern finden sich dort genauso wie der Wunsch, in den Weihnachtsferien einmal etwas ganz anderes zu machen, oder der Traum, eine fremde Kultur kennen zu lernen und selbst zu erfahren, wie es denn nun in Rumänien wirklich ist. Nach einer guten Tagesreise treffen die Leute aus dem Team früh morgens im rumäni schen Miercuera Ciuc ein. Von Fränzi und Joco, den zwei Kontaktpersonen in Ru mänien, wird die Gruppe herzlich Willkommen geheissen. Die ersten beiden Nächte verbringen alle in Zweier- bis Vierergruppen bei denjenigen Grossfamilien, in denen die Waisenkinder leben. (5 bis 17 Waisenkinder werden von 2 bis 3 Erwachsenen betreut). Das Programm, welches vom Team durchgeführt wird, stösst bei den Waisenkindern auf helle Begeisterung. Ob nun gespielt, gesungen, getanzt oder mit Plastiktellern durch den Schnee geflitzt wird - alle sind voller Freude dabei. Es herrscht von Beginn weg eine positive und fröhliche Stimmung. Einen Höhepunkt des Lagers bildet das Silvesterprogramm, das sich aus verschiedenen Workshops zu sammensetzt: Raumdekoration, Nusskerzen herstellen, Proben für Tanzaufführungen, Sport im Freien, eine Fackelwanderung, Schminken und Frisieren für die Disco werden angeboten. Auch die BetreuerInnen und Betreuer von Grossfamilien finden Spass am Programm und leisten Hilfe. Zum Beispiel bringen sie an Silvester Brot, Kekse sowie Kartoffelsalat, welcher zusammen mit Wienerli und Senf das traditionelle Silvestermenü bildet. Boldog üj evet - frohes neues Jahr! Mit Feuerwerk und alkoholfreiem süsslichem Champagner wird der Start ins Jahr 2006 im Freien gefei ert.

Am ersten Tag im Jahr 2006 taucht das Team in eine nochmals ganz andere Welt ein. Die Zollikerinnen und Zolliker besuchen die Romasiedlung von Miercuera Ciuc. Die guten Wünsche fürs neue Jahr und auch die mitgebrachten Schweizer Schokoladetafeln bereiten Freude. Die Stimmung wird noch besser, als aus einer der kleinen Hütten Musik ertönt und zum Tanz gebeten wird. Die Romas, zum Teil barfuss oder in Socken, mit Trägershirts und glänzenden Augen, und das Team, in Thermowäsche, mit Handschuhen und Mützen, tanzen über den vereisten, schlammigen Boden. Die Menschen dieser Siedlung leben in sehr einfachen Verhältnissen, haben aber anscheinend die Freude am Leben nicht verloren.
Am 4. Januar heisst es dann auch schon Abschied nehmen. Das Team macht die Runde: Szia, Tschüss, Küsschen links, Küsschen rechts, Umarmungen - die Tränen fliessen. "No Schweiz, Rumania bleiben".
Müde und in Gedanken immer noch in Rumänien kommen die 17 jungen Menschen nach einem Zwischenhalt in Budapest in der Schweiz an. Was nehmen diese Men schen neben bemalten Tassen und anderen Geschenken der Kinder mit nach Hause? Freundschaften, wertvolle Begegnungen und Erlebnisse, die kaum in Worte zu fassen sind - und natürlich die Hoffnung auf ein Wiedersehen!

Michaela Tobler



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Anfang Seite  - update: 19.05.2006 - verantwortlich: Alex Kohli Portrait anzeigen  -  Evang.-ref. Kirche Zollikon